Lukas 9,23

Heute hatte ich meinen freien Tag. Also, noch freier als sonst. Um ihn nicht in möglicherweise zu meiner persönlichen Entwicklung zuträglicher Selbstreflektion verbringen zu müssen, habe ich beschlossen, einfach mal meinen inneren Pauschaltouristen raushängen zu lassen und auf einen Berg zu steigen.
Der ortsansässige Berg bietet Schmetterlinge, Adler und einen buddhistischen Tempel an der Spitze. Klischeehaft, aber süß.
Mein Anleiter hat mir einen Zettel auf chinesisch geschrieben, der darum bat, den vertrottelten, deutschen Träger dieses Schreibens den Weg zum Tempel zu weisen. Hat auch funktioniert. Meistens.
Obwohl ich, unvorbereiteter Deutscher, gänzlich ohne Handtuch reiste, hat mich einer der Chinesen sogar einen Teil der Strecke mitgenommen.
Als ich oben war, beschloss ich, entgegen meiner sonst so versöhnlichen Natur, auf die kulturelle Sensitivität zu pfeifen und habe meine Hängematte an zwei Säulen des Tempelausgucks festgemacht. Das hat mir die nötige Bestätigung gegeben immer noch ein echter Revoluzzer zu sein.
Die Buddhisten hatten damit glücklicherweise kein Problem.
Oder sie waren von meiner imposanten, weißen Statur zu eingeschüchtert um einzuschreiten.
In jedem Fall hatte ich so von meiner Hängematte aus einen Ausblick über die ganze Stadt. Oder hätte ihn gehabt, wenn es nicht ganz so bewölkt gewesen wäre.
Und während ich so in der Sonne vor mich hindöste ist mir der oben erwähnte Vers eingefallen.
Bin ich froh, dass ich so ein devoter Christ bin, der bereit ist, in fremde Länder zu gehen und dort für seinen Glauben zu leiden.

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