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Dieser Eintrag entsteht als Reaktion auf wiederholt ausgeübten externen Druck auf meine Person.
Präziser gesprochen, als Reaktion auf Kritik am Inhalt (bzw. dessen Abwesenheit) meiner bisherigen Ausführungen.
Ich wurde mehrmals darauf hingewiesen, dass ich keinerlei Informationen über meinen tatsächlichen Alltag oder meine Arbeit herausgebe.
An dieser Stelle muss festgehalten werden, dass das in unserer postmodernen Gesellschaft völlig irrelevant ist. Schließlich sind die einzigen Kategorien, nach der man einen Umstand noch beurteilen kann, seine “Witzigkeit” oder eben auch das Fehlen jener.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf waren auch meine bisherigen Posts darauf ausgerichtet einem durch konstante Reizüberflutung abgestumpftem Publikum nach caesarischer Manier Unterhaltung zu bieten.
Diesen Ansatz muss ich nun verwerfen, da mir klar geworden ist, dass meine Leserschaft natürlich keinen Querschnitt der Gesellschaft bietet, sondern über dem Durchschnitt lebt.
Andererseits wurde mir mitgeteilt, dass meine Beiträge als arrogant und die lokalen Bevölkerung herabwürdigend gesehen werden können.
Als Klarstellung: Meine Beiträge sind arrogant.
Das kommt von meinem illusorischem Selbstbild, an das ich mich ironischerweise klammere, um tiefergehende Selbstreflexion zu vermeiden.
Aber ich widerspreche vehement der These, dass sie herabwürdigend seien.
Ich möchte in diesen Texten niemanden erniedrigen oder angreifen. Ich hab die Leute hier wirklich gern und falls ich etwas Gegenteiliges schreibe oder geschrieben habe, dann ist das strikt ironisch gemeint.

Genug des Wetterns, lasst Taten folgen.
Hier also einige Ausschnitte meines Alltags der letzten Woche.


Dienstag, 25.04.2017. Die Woche beginnt immer Dienstags, da Montag unser Alternativ-Sonntag ist. Alternative Wochentage, Kellyanne Conways Erfindung.
Um das Team auf eine produktive Woche einzustimmen, habe ich als allererstes eine motivierende Andacht über mein Lieblingsthema gehalten: Den Tod.
Nachdem wir so positiv gestartet sind, haben wir zur Aufmunterung das Center putzen dürfen. Freude.
Anschließend sind wir zum größten buddhistischen Tempel des Landkreises gefahren. Der ist wirklich groß. Also echt groß.
Das haben wir nicht zur Unterhaltung gemacht, sondern weil wir für die Leute beten wollten. Prayer Walk nennen sie das hier.
Das finde ich echt gut. Sowas sollten wir Deutschen auch mal machen.

Mittwoch, 26.04.2017.  Wir haben zum Start über einige Methoden zum Leiten einer Bibelarbeit gesprochen. Danach haben wir uns mit einigen der Kernthesen des Buddhismus beschäftigt und was das für die Verkündigung des Evangeliums hier bedeutet. (Warum erst nach 6 Wochen?)
Dazu halte ich nächste Woche auch noch eine Präsentation über die Logik des Buddhismus. Das wird bestimmt interessant, wir haben einen Ex-buddhistischen Mönch im Publikum, hoffentlich erzähle ich nicht zu viel Müll 😀
Im praktischen Teil des Tages gab es Gartenarbeit. Der “Garten” war früher einmal eine Müllhalde und wurde dann sich selbst überlassen, sodass er jetzt meterhoch überwuchert ist. Dementsprechend wäre der zutreffendere Term Terraforming und nicht Gardening. Wir haben einen neuen Weg angelegt. Das hat Spaß gemacht.

Donnerstag 27.04.2017. Donnerstags verbringen wir morgens immer erst einmal eine halbe Stunde mit Beten, für verschiedene Nationen und einander. Sehr cool.
Außerdem haben wir an einer lokalen Grundschule eine Stunde einen Mix aus Englisch und Ökologie unterrichtet.
Ich hab an meiner Präsentation gearbeitet.
Abends haben wir dann immer unseren Kalligraphiekunst Kurs. Der lief sogar ziemlich gut, dieses Mal.
Da sag noch einer, dass ich künstlerisch vollständig unbegabt sei. Ich kann jetzt bestimmt besser chinesische Buchstaben malen als ihr alle zusammen. Ha!

Freitag, 28.04.2017. Freitag ist Vorbereitungstag. Ich habe meine Präsentation vervollständigt und wir haben den Englischkurs für den nächsten Tag geplant.
Abends haben wir uns mit ein paar Universitätsstudenten getroffen, die ab nächster Woche versuchen werden mir ein bisschen Chinesisch einzutrichtern.
Zum Abschluss eine Gebetsnacht in der Kirche.

Samstag, 29.04.2017. Morgens gab es eine Andacht von Rachel. Danach haben wir wieder Englisch unterrichtet, was diesmal sogar richtig gut lief.
Nachmittags ist Center Ministry, was im Prinzip bedeutet, dass wir alle Leute bespaßen, die so vorbeikommen. Jeden Samstag kommt uns dabei ein extrem hyperaktiver Junge besuchen, der viel Betreuung braucht. Für den könntet ihr mal beten.

Sonntag, 30.04.2017. Überraschenderweise begann der Sonntag mit einem Kirchenbesuch.
Nachmittags ist Sonntags Kinderprogramm. Wir haben gebacken, die Kekse waren scheußlich.

Unmöglich kann das Vorhandensein von Nichtseiendem zwingend erwiesen werden.

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